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Presov, Preschau
Geschichte
Seit Urzeiten ist das Tal des Torysa-Flusses als Teil der wichtigen Handelsroute
zwischen Byzanz, Belgrad, Kosice und Warschau bekannt. In der Prešover Region teilte sich diese Route in östliche Richtung entlang der Topľla, nach Norden Richtung
Bardejov, nach Westen in die Zips und in nordwestliche Richtung nach Sabinov und Plavec.
Frühzeit
Prešov ist ein alter
Siedlungsplatz (Altsteinzeit, Jungsteinzeit, Bronzezeit, keltische Siedlung, germanische Siedlung, Siedlungen aus der Völkerwanderungszeit).
Mittelalter
Die Nordostslowakei zählt zu jenen Gebieten der Slowakei, die am Ende der Völkerwanderungszeit als erste von Slawen besiedelt
wurden. Seit Ende des 5. Jahrhunderts ist in der Region um Prešov eine slawische Besiedlung mit Keramik des Prager Typs nachweisbar, nach neueren Forschungen ist in dieser
Region sogar eine slawische Besiedlung im 3. und 4. Jahrhundert wahrscheinlich. Seit dem Ende des 8. bis zum 12. Jahrhundert gab es hier mehrere nachweisbar kontinuierlich
besiedelte slawische Siedlungen; einige Reste davon kann man heute noch in der Slovenská ulica sehen, die diesen Namen schon im Mittelalter trug (Platea Sclavorum, Sclauorum).
Diese Siedlung war auch Bestandteil des Neutraer Fürstentums und dann (833 bis etwa 907) von Großmähren.
Im Zuge der schrittweisen Übernahme der heutigen Slowakei durch
die Ungarn wurde die Region um 1100 in das Königreich Ungarn eingegliedert und es kamen Ungarn und ihre militärische Präsenz in die alte slawische Siedlung. Im Laufe des 12.
Jahrhunderts gründeten die Ungarn zwei weitere Siedlungen neben der bereits bestehenden slowakischen Marktsiedlung – die eine südwestlich der slowakischen Siedlung, die andere
war die St. Ladislaus-Siedlung (so benannt nach einer Kirche) am Fuße des Villec hurka Berges.
Die ersten deutschen Kolonisten (Sachsen) siedelten sich südlich der
slowakischen Marktsiedlung an. Sie kamen gleich nach den Verwüstungen durch die Mongoleneinfälle von 1241/1242 auf Einladung des Königs Bela IV., um die entvölkerten
Landstriche wieder zu beleben. Sie erhielten wahrscheinlich bereits zu diesem Zeitpunkt die Stadtrechte, die dann 1299 bestätigt wurden. Die deutsche Siedlung breitete sich
langsam in westlicher Richtung entlang der slowakischen Siedlung aus und im 14. Jahrhundert entstand zwischen den beiden Siedlungen ein Marktplatz – der heute als Hlavná ulica
bezeichnete lange Zentralplatz der Stadt. Bereits im 14. Jahrhundert entstand auf diesem Platz die St. Nikolaus-Kirche, die Zentralkirche der Stadt.
Seit dem 13. Jahrhundert
wurde Prešov von drei verschiedenen Nationalitäten, den Slowaken, Ungarn und Deutschen bewohnt, welche im Verlauf der Jahrhunderte immer wieder unterschiedlich starken
Einfluss auf die Geschicke der Stadt hatten und zu ihrem Reichtum beitrugen.
Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über Prešov sind auf das Jahr 1247 datiert. In
einem Dokument der Zisterzienser von Bardejov beschweren sich diese über die Zerstörung ihrer Grenzmarkierungen und den Raub von Teilen ihres Eigentums durch Deutsche
(Teutonen). Prešov wird als Epuries bezeichnet und diente damals der Verteidigung der nördlichen Grenze des ungarischen Königreiches.
Salz wurde in diesem Gebiet seit
Menschengedenken abgebaut: 1261 wurde Solivar („Salzburg“, nicht zu verwechseln mit der Stadt in Österreich), seit 1973 Stadtteil von Prešov, als „Souuvar“ zum ersten Mal
erwähnt. In diesem alten Siedlungsplatz (Altsteinzeit, Wandalen) soll es aber bereits vorher zwei Burgen gegeben haben. Die eine noch übrig gebliebene Burg wurde 1715
vollständig zerstört.
Vor der Erteilung der Stadtrechte war Prešov der Burg Šariš/Scharosch, d. h. dem Leiter des Saris-Komitats (das wohl vor 1241 Bestandteil des
Komitats „Novum Castrum“ war) unterstellt. König Andreas III. verlieh/bestätigte Prešov 1299 das Stadtrecht (ebenso Velky Saris und Sabinov). Damit verbunden waren nun auch
die Rechte auf eine eigene Stadtverwaltung, einen Bürgermeister und einen Stadtrat. Die Stadt bekam auch wirtschaftliche Unabhängigkeit, da die Einwohner der Stadt nun freie
Bürger mit Land- und Grundstücksbesitz waren. Somit konnten sie sich ganz auf das Handwerk und den Handel konzentrieren; vor allem die deutschen Einwohner nutzen diese Rechte
ausgiebig.
Im Jahre 1374 wurde die Stadt vom König zu einer königlichen Freistadt erhoben und erhielt somit auch das Recht auf eine Stadtmauer. Im selben Jahr wurde die
erste Handwerkerzunft, die Schuhmachergilde begründet. Regelmäßige Markttage zeugten von der intensiven Entwicklung des Handels in dieser Zeit; die Prešover Bürger handelten
vor allem mit Textilien und landwirtschaftlichen Erzeugnissen, wobei vor allem der Handel mit Wein ertragreich war.
1455 wurde Prešov durch
König Ladislaus Postumus ein Stadtwappen zuerkannt. Die Prosperität der Stadt in jener Zeit zeigt sich sehr gut an der sich schnell vergrößernden Einwohnerzahl von 2.000 im
Jahr 1425 auf 3.300 im Jahr 1492. 1441 wurde die Stadt von den Polen belagert und angezündet. 1480 wurde die Stadt Mitglied des ostslowakischen Städtebundes Pentapolitana
(Levočca, Košice, Bardejov, Sabinov, Prešov).
16. Jahrhundert
Das 16. Jahrhundert war gekennzeichnet durch die starken Veränderungen in Europa, welche auch an Prešov nicht spurlos
vorbeigehen konnten. Im Speziellen sei hier auf die Reformationsbewegung und die türkische Expansion (Schlacht bei Mohacs (1526) hingewiesen. Durch die Besetzung des heute
bekannten Ungarns durch die Türken wurde die Slowakei zum Rückzugsgebiet der reichen ungarischen Bürger- und der Adelschicht, aber auch protestantischer Flüchtlinge, vor allem
aus Böhmen und Mähren. Die Reformation, welche von Deutschland und der Schweiz ausging, fand auch bei den Deutschstämmigen in Prešov einen großen Zuspruch. Infolge dessen
entstand die erste evangelische Kirchengemeinde hier schon 1531. 1548 fand in Prešov die erste belegte Synode der Slowakei statt, auf der die Protestanten das Augsburger
Bekenntnis akzeptierten. 1549 wurde nach dem Vorbild des Confessio Augustana von Leonhard Stöckel die Bekenntnisschrift (gemäßigte protestantische „Religion“) Confessio
Pentapolitana aufgestellt, um Vorwürfe der Ketzerei zu verhindern. Die herrschende Klasse jedoch förderte ab den 70er Jahren des 16. Jahrhundert die Gegenreformation bzw. die
Rekatholisierung, die in vielen anti-habsburgischen Aufständen auf dem Gebiet der heutigen Slowakei mündete (1604-1711), in denen Prešov meist auf der Seite der Aufständischen
stand.
Die Bevölkerungsvielfalt wurde Mitte des Jahrhunderts durch eine weitere Bevölkerungsgruppe, die der Zigeuner, ergänzt. Sie siedelten im Gebiet des heutigen
Námestie mieru („Friedensplatz“), wo sie das so genannte neuägyptische Viertel begründeten. Zu dieser Zeit betrug die Zahl der Einwohner zirka 4.000 und die Bedeutung von
Prešov als Handelszentrum überflügelte sogar angeblich die von Košice.
In Solivar/Salzburg wurde 1572 der Leopold-Schacht angelegt. 1573 wurde der Ort zur Bergbaustadt
erhoben und 1592 wurde die Salzherstellung vom Staat übernommen.
17. Jahrhundert
Im 17. Jahrhundert waren die meisten
Einwohner von Prešov Protestanten. Die anhaltenden anti-habsburgischen Aufstände sowie die Präsenz der türkischen Besatzer an den Grenzen des Habsburgerreiches veranlassten
die Habsburger, vorübergehend toleranter mit neuen Religionen im habsburgischen Königlichen Ungarn (d. h. in der Slowakei, in Burgenland und in Nordkroatien) umzugehen.
1667 wurde in Prešov ein „evangelisches Kollegium“, das ein wichtiges Bildungszentrum für Oberungarn (so hieß damals die Ostslowakei) darstellte, eröffnet. Die hier tätigen
Gelehrten waren stark von den Lehren ´Johann Amos Comenius beeinflusst, welcher im Frühling 1650 in Prešov weilte. Zu der sich schnell vergrößernden wirtschaftlichen Macht der
Stadt kam auch die politische Stärke hinzu. So wurde 1647 des Verwaltungszentrum des Šariš/Scharosch-Komitats, das oft seinen Sitz wechselte, in die Stadt verlegt. Im 17.
Jahrhundert hatten die Adligen aus der Familie Rákóczi die Funktion des Komitatsvorsitzenden (Gespans) inne.
1671 ließ sich in der Stadt der Franziskaner-Orden nieder,
2 Jahre später auch der Jesuiten-Orden. Das Jahr 1687 wurde für Prešov zu einem Albtraum. Die Unterstützung seitens der Stadt für den anti-habsburgischen Aufstand unter
Emmerich Thökly (1678-1687) hatte schwerwiegende Konsequenzen. Aufgrund einer Entscheidung von Kaiser Leopold I. wurde in der Stadt das sogenannte Eperieser Blutgericht unter
der Führung von Antonio Caraffa abgehalten, in dessen Verlauf (vom 5. März bis zum 12. September 1687) 24 prominente protestantische Bürger und Adlige zum Tode verurteilt und
ihr Vermögen eingezogen wurde. Weitere Schäden verursachten die Pestepidemie von 1696, durch die die Hälfte der Stadtbevölkerung ums Leben kam, und der Aufstand von Franz
Raokoczi II. (1703-1711).
18. Jahrhundert
Das erste Viertel des 18. Jahrhunderts warf die Stadt dann noch weiter zurück. Zusätzlich zu den Belastungen durch die
anti-habsburgischen Aufstände und anti-türkischen Kriege wurde die Bevölkerung 1710 wieder durch die Pest und die Stadt durch Feuersbrünste heimgesucht. Dadurch sank die
Einwohnerzahl auf unter 2.000. Das ehemalige evangelische Kollegium wurde 1711 von den Jesuiten übernommen. Es brauchte einige Jahrzehnte, bis sich die Stadt wieder von diesen
Belastungen erholt hatte.
Das Handwerk und der Handel belebten sich langsam wieder, hinzu kamen auch Manufakturen. In dieser Zeit kam es auch zu wichtigen Entdeckungen
durch ansässige Gelehrte. Die meistbeachtete war die Herstellung einer Impfung gegen Pocken durch Jan Adam Rayman (Rajman).
Seit der Mitte des 18. Jahrhundert stieg die
Bevölkerungsanzahl wieder an und erreichte 6.000. Ein für die in der Stadt ansässigen Juden wichtiges Jahr war 1780, als sich hier der erste holländische Jude, Markus
Holländer, ansiedelte. Eine weitere Feuersbrunst im Jahr 1788 hielt die Stadt abermals in ihrer Entwicklung auf.
Im Februar 1752 wurde die Salzmine in Solivar
überflutet und riss alle Bergarbeiter mit in den Tod. Seit dieser Zeit wurde Salz nur noch durch Verdampfung von Salzwasser (Lake) gewonnen.
19. Jahrhundert
Im frühen 19. Jahrhundert wurde die Stadt zum Sitz des Scharosch-Komitats erhoben (bis 1922); die Verwaltung des Komitats
gab es hier aber bereits seit 1647. Diese Zeit war auch durch die Pionierarbeit des unterschätzten Wissenschaftlers Jan Gertinger gekennzeichnet, welcher als erster in
Mitteleuropa Kristallzucker herstellte. Nachdem 1817 die griechisch-katholische Kirche in der Stadt ihre Diözese eröffnet hatte, kam es zu einer Zuwanderung von Ruthenen in
die Stadt. Am Anfang des 19. Jahrhunderts machten die Slowaken durch Zuwanderung aus den benachbarten slowakischen Dörfern bereits die überwiegende Mehrheit der
Stadtbevölkerung aus. 1831 beteiligten sich viele Einwohner an einem großen Bauernaufstand. 1849 wurde die Stadt im Zuge der Revolution vorübergehend von slowakischen
Freiwilligentruppen besetzt.
Am Kollegium studierten einige wichtige Vertreter der slowakischen Nationalbewegung (Pavol Orszgh Hviezdoslav, Jonáš Záborský und andere).
Nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleichs von 1867 begann das Königreich Ungarn mit einer systematischen Magyarisierung der nichtungarischen Bevölkerung in Ungarn.
Infolge dieser Politik stieg der Anteil der Ungarn in der Stadt rapide.
Die Wirtschaft von Prešov fing wieder an zu stagnieren, dies konnte auch nicht durch den Bau von
Eisenbahnstrecken nach Kosice, Plavec und Bardejov aufgehalten werden. Während dieser Zeit fiel die Wirtschaft der Stadt auch wieder hinter die von Košice zurück. 658 Bürger
verließen zwischen 1870 und 1888 die Stadt. 79.182 Menschen wanderten innerhalb von drei Jahrzehnten (1880–1910) aus dem gesamten Scharosch/Šariš-Komitat aus, was zirka die
Hälfte der Bevölkerung ausmachte. Am 6. Mai 1887 fiel ein Großteil der Stadt einer schweren Feuersbrunst zum Opfer.
20. Jahrhundert
Nachdem in der Stadt 1919 die kurzlebige Slowakische Räterepublik (Slowakische Sowjetrepublik) ausgerufen worden war, wurde sie im gleichen Jahr definitiv Bestandteil
der neu gegründeten Tschechoslowakei. Wieder kam es zu großen Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur. Tschechen (später Slowaken) besetzten nun die wichtigen Posten in der
Verwaltung der Stadt. 1921 hatte die Stadt 17.577 Einwohner. Der größte Industriebetrieb, die Masaryk-Salzwerke, nahm 1925 in seinem neuen Werksgebäude in der Nähe des
Bahnhofs die Arbeit auf. Die Einrichtung eines slowakischen Theaters 1944 gab der Stadt wichtige Impulse für das kulturelle Leben. Während des 2. Weltkriegs - am 20. September
1944 - wurde die Stadt bombardiert und ein Jahr später - am 19. Januar 1945 durch die Sowjetarmee und das 1. tschechoslowakischen Armeekorps von deutschen Besatzungstruppen
befreit. Der Krieg endete mit einer Katastrophe für die jüdische Bevölkerung, die vor dem Krieg 20% der Einwohner stellten, denn 90% der Juden wurden während des Krieges in
Konzentrationslagern umgebracht.
In der Nachkriegszeit entwickelte sich Prešov ab 1948 unter den Bedingungen des Sozialismus. Die nun einsetzende starke
Industrialisierung der gesamten Slowakei bedeutete eine eindrucksvolle Entwicklung der Industrie, welche sich nun stark an den östlichen Märkten orientierte, und eine starke
Mechanisierung/Automatisierung der Produktionsabläufe.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
verzeichnete die Stadt durch Zuzug von Bevölkerung aus den benachbarten, eher armen Regionen der Slowakei ein außerordentliches Wachstum der Einwohnerzahl: 1950 hatte die
Stadt 27.846 Einwohner, 1970 schon 51.917, 1991 87.765 Bewohner und 1999 schließlich 95.760. Somit ist Prešov die drittgrößte Stadt der Slowakei geworden.
1922–1938 war
die Stadt kein übergeordneter Verwaltungsort, 1938–1945 war sie Sitz des Gaus Šarišsko-Zemplínska župa, 1946–1960 und seit 1996 Sitz des Landschaftsverbandes Presovsky
kraj.
Am 2. Juli 1995 wurde die Stadt mit dem Besuch des Papstes Johannes Paul II. geehrt.
Name
Manche Forscher
vertreten die Ansicht, dass die slowakische Form vom Personennamen Preš oder Praš + Possessivendung -ov abgeleitet ist und die ungarische (und damit auch deutsche) Form über
Prěeš -> Eprieš -> Eperjes abgeleitet ist, wobei die letzte Form Eperjes (ungarisch ein Adjektiv zu eper „Erdbeere“) dadurch entstand, dass der Gebrauch zu einer
Form „mit Bedeutung“ tendierte.
Andere
Forscher sind der Meinung, dass die ungarische Form, nämlich Eperjes, zuerst da war und von ihr dann der slowakische (und deutsche) Name abgeleitet sind.
Quelle : Wikipedia
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