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Pieštany - Geschichte und Kultur -
Artikel von Radio Slovakia International am 19.04.2006
Vom Sand zum Wasser ... Eine Stadt mit
dem Namen Pieštany, was sich Etymologen zufolge von dem Wort piesok, zu Deutsch: Sand, ableitet. Berühmt geworden ist diese Stadt aber nicht etwa als Wüstenei, sondern als
Wasserkurort. Doch davon später.
Wasser und Sand bildeten schon früh eine Einheit: Auf dem sandigen Grund nahe des Flusses Váh hatte es die erste Besiedlung gegeben.
Schon die Vorgänger der heutigen Bewohner mag es zu den fast 70 Grad heißen Quellen gezogen haben.
Das zweifellos herausragende Zeugnis dieser lang vergangenen Zeiten
wurde aus dem Stoßzahn eines Mammuts gefertigt: Nun ja, sie entspricht nicht mehr dem heutigen Schönheitsideal, diese “Mährische Venus”, aber das sei ihr verziehen. Wer weiß,
wie wir einmal in über 22 tausend Jahren aussehen werden!
Die alten Römer, Kenner und Genießer heißer Bäder besonders im kalten Mitteleuropa, sollen als erste die
heilsame Wirkung der Quellen und des Schlamms entdeckt haben. Als „Pescan“ fand Piešany 1113 in der Urkunde von Zobor seine erste schriftliche Erwähnung. Doch sollten noch
Jahrhunderte vergehen, bis der Ort seinen Ruf als Bäderstadt erhalten würde.
Der böhmische Gelehrte Adam Trajan Benešovský feierte die heilsame Wirkung des Wassers in
seiner Ode Saluberrimae Pistinienses Thermae aus dem Jahre 1642.
Doch Wasser kann auch zerstören: Durch eine Flut im August 1813 wurden die hölzernen Badehäuser
vernichtet. 1821 begann Graf Jozef Erdödy damit, Badehäuser aus Stein und einen Kurpark zu errichten. Nach den Napoleonischen Kriegen wurden hier verwundete Soldaten behandelt.
Von 1829 bis 1837 wirkte an diesem Ort der bekannte Kurarzt und Pionier der Badtherapie, Dr. František E. Scherer, Autor des Werkes "Über kurative Quellen und
Bäder in Ungarn".
Anfang des 20. Jhds. entstanden die ersten Kurhotels. Die Palette der Baustile reicht schließlich von Klassizismus bis Funktionalismus.
Immernoch eine Attraktion ist die Kolonnadenbrücke zur Badeinsel. In dieser Zeit, genauer: 1894, entstand das Symbol der Stadt: ein Mann, der seine Krücke zerbricht. Noch
heute findet er sich im Stadtwappen. Ein Bädermuseum wurde errichtet, junge talentierte Ärzte eingeladen. Die Liste der Mediziner ist lang.
Und dann wurde Pietany sogar
zu der ersten Stadt auf slowakischem Gebiet mit einem Golfplatz. Bedeutende Tourniere wurden ausgetragen. Tennismatches für die beweglicheren Gäste, und für die Freunde
wohlüberlegter Züge und gemäßigter Bewegung: Schachtourniere. Denn in Piešany wurden auch rheumatische Beschwerden behandelt. Der Zerstreuung dienten Konzerte und
Tanzwettbewerbe.
Angezogen vom Ruf der Bäderstadt fanden sich zahlreiche Berühmtheiten ein: Der Bulgarische Zar Ferdinand I. war hier zu Gast, der deutsche Kaiser
Wilhelm II. ebenso wie seine Majestät Karl I. aus Österreich sowie indische und malaysische Maharadschas. Die schwedische Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Selma
Lagerlöf, die Politiker Edvard Beneš, Vavro Šrobár und Jan Masaryk statteten Piestany ihren Besuch ab. Der Schauspieler Vlasta Burian hat hier gebadet, der österreichische
Komponist Johann Strauss der Jüngere hat sich hier blicken lassen, Sir Henry Davis, Gründer des Davis-Cups und Jaroslav Hašek, Autor der „Abenteuer des braven Soldaten
Schwejk“ waren zu Besuch gewesen. Auch in heutiger Zeit finden sich berühmte Namen: Claudia Schiffer, David Coulthart und Jaromír Jagr.
Die berühmteste Tochter des
heutigen Piestany dürfte die Schwimmerin Martina Moravcová sein. Ihre ersten Schwimmversuche unternahm sie in dem Becken mit der passenden Bezeichnung “Eva”.
Mein Element ist das Wasser. Meine Waffe ist mein Körper. Mein Sport ist das Schwimmen.
Ohne Zweifel ein kämpferisches Motto. Martina Moravcová hat es aus dem
Planschbecken von Piešany bis auf die Siegerpodeste der weiten Welt geschafft: zweimal die olympische Silbermedaille, zahlreiche Tourniersiege und Weltrekorde im Schwimmen.
Hat sich hier vielleicht noch der Geist der geheilten Soldaten aus den Napoleonischen Kriegen übertragen?
Piešany zählt nun 30 tausend Einwohner. 80 km von Bratislava
entfernt, 140 km von Wien. Einer der Vorzüge der Kurstadt sind die langen Sommer und die milden Winter: Mit 265 Sonnentagen im Jahr ist sie die sonnigste Stadt der Slowakei.
So sind wir also vom Sand zum Wasser gelangt, und vom Wasser zur Sonne. Und die wünschen wir Ihnen auch, liebe Hörerinnen und Hörer, wenn Sie den Kurort Piestany
einmal besuchen sollten. Und falls Sie dessen bedürfen natürlich auch: Gute Genesung!
[19. 04. 2006]
RSI am 19,04.2006 - Link zum Originalartikel
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