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Die Venus von Muran
Soll eine
Legende wahr sein, muß sie eine reale Grundlage haben. Im Unterschied zu einigen berühmten Legenden, wie z. B. der Mythos von Janosik, ist die Legende über die Venus von Muran
zielbewußt erfunden. Im Grunde genommen, berichtigt sie nur die Lebensgeschichte einer reellen historischen Gestalt von Maria Szécsi.
Unsere Erzählung beginnen wir mit dem folgenden Faktum: Maria Szécsi, der Nachkomme eines berühmten ungarischen Adelgeschlechtes, hatte drei Gatten. Da
der erste gestorben war, heiratete sie den zweiten, von dem sie sich später nur deshalb scheiden ließ, damit sie ihre Lebensliebe heiraten kann. Für die damalige Zeit
war dies eine ziemlich gewagte Tat.
Auch sie zeugt von der Außergewöhnlichkeit des Charakters der Schönheit von Muran.
Trotz alledem wird in der Legende die körperliche Schönheit der Kraft der Persönlichkeit von Maria Szécsi bevorzugt.
„Die Gestalt von Maria Szécsi ist auf einem Bild erhalten geblieben, so dass wir sehen können,
daß sie wirklich eine wunderschöne Frau war. Schon dadurch, dass sie eine geharnischte
Schönheit war, ist sie für eine Legende geeignet. Sie wurde nämlich als Kämpferin berühmt,“
sagt Historiker Pavel Dvorak und setzt fort: „Als Maria Szécsi von ihrem Mann geschieden wurde
, kam sie zu ihrer Schwester, die auf der Burg Muran lebte. Es war zu der Zeit der permanenten
Kämpfe. Ich mag die Daten nicht besonders, doch für Ihre Orientierung muss ich sagen, daß
Maria Szécsi 1610 geboren wurde. Sie starb 1679, also ein Jahr davor, als eine weitere Legende – die Weiße Frau von Leutschau – geboren wurde.“
Es scheint, daß die berühmtesten slowakischen Legenden im schwierigen Zeitabschnitt des 17.
Jhs. entstanden sind. Über Julia Korponay alias die weiße Frau von Leutschau haben wir schon
berichtet, heute sprechen wir über Maria Szécsi - die Venus von Muran und das nächste Mal
werden wir über den berühmten Räuber Janosik erzählen. Die Lebensgeschichten von diesen drei
Gestalten sind eng mit der Zeit der Kämpfe der ungarischen Stände um ihre Freiheit verbunden.
Die Habsburger bemühten sich um die zentrale absolutistische Macht, begleitet von der gewaltsamen Germanisierung. Man bemühte sich, die Sprache, die Bräuche ja sogar den
Charakter des Volkes zu verdeutschen. Historiker Pavel Dvorak dazu:
„Der ungarische Adel schätzte jedoch seine
Standesfreiheiten sehr hoch. Seine Kultur war zwar lateinisch, doch im Grunde genommen bereits ein bißchen ungarisch, denn der wesentliche Teil der Adeligen Ungarn waren.
Obwohl auch die anderen Völker, z. B. die Slowaken genauso wie die Kroaten zu der Zeit ihren eigenen Adel hatten, waren sie alle eben aufgrund der
ungarischen Basis verbunden.“
Die Angehörigen des ungarischen Adels waren gebildet und beherrschten mehrere Sprachen.
Die gewaltsame Verdeutschung als ein Mittel der Behauptung der absoluten Macht der Monarchen lehnten sie jedoch energisch ab. Aber auch der Kampf der ungarischen Stände für
die Freiheit ist im gewissen Sinne legendarisiert und idealisiert worden. Jede Münze hat zwei
Seiten, so auch diese. Die habsburgische Zentralisierung war eigentlich das einzige wirksame
Mittel im Kampf gegen die Türken, mit denen sich die Adeligen im Kampf um eigene Freiheit vereinigten.
„Sie vereinigten sich mit den Türken, mit dem Erzfeind
von Ungarn und von alledem, was da existierte. Mit Türken, die das Land vernichteten und dadurch verursachten, daß hier jegliche Entwicklung für 150 Jahre gestoppt wurde.
Sie können sehen, daß die Geschichte unheimlich kompliziert ist und deswegen mag ich keine Generalisierung, deswegen gefallen mir besser
Lebensgeschichten. Aus diesem Grunde gefällt mir auch die Geschichte von Maria Szécsi,“ sagt Pavel Dvorak.
Zu der Zeit, als die Burg von Muran im Besitz von Maria Szécsi war, herrschte dort ein
ausgeprägt gegenkaiserlicher Geist. Trotzdem lieferte sie die Burg in die Hände des kaiserlichen
Beamten Pfalzgrafen Frantisek Veseleni aus. Doch gerade Veseleni wurde später zum Führer der
gegenkaiserlichen Verschwörung, an der ein Großteil der ungarischen Stände mitsamt der hohen
kaiserlichen Beamten teilnahmen. Alle rechneten mit der Hilfe der Türken, doch alles schlug ins
Gegenteil um. Die Türken verrieten die Absichten der Rebellen direkt dem Kaiser, der aber nicht
den Mut hatte, einzugreifen. Er wartete ab, bis die Lage durch einen Zufall gelöst wurde. Als die
Rebellen über den Tod von ihrem Anführer Frantisek Veseleni erfuhren, kamen sie auf den
kaiserlichen Hof, um Gnade zu bitten. Doch niemand bekam sie. Manche Rebellen waren nicht
bereit, ihre Ideale zu verraten und führten Widerstand. Zu diesen zählte auch Maria Szécsi - die Venus von Muran. Über ihre Wirkung während des Krieges spricht Pavel Dvorak:
„Sie griff eigentlich bereits zum zweiten Mal in den Krieg ein. Einmal lieferte sie die Burg Muran aus, ein anderes
Mal verweigerte sie, es zu tun.
Sie verschanzte sich auf der Burg Muran und als das kaiserliche Heer einmarschierte, lieferte sie die Burg nicht aus.
Erst nach einer langen Belagerung kam es zu einer Abmachung, daß sie die Burg doch auslieferte. Maria Szécsi konnte die Burg als freie Person verlassen, doch
sie kam um ihr Vermögen und wurde proskribiert.
Sie verstarb zwar zurückgezogen, jedoch ist sie keine tragische Gestalt wie z. B. die Weiße Frau
von Leutschau oder der Räuber Juro Janosik, die ums Leben kamen. Maria Szécsi starb 69-jährig, was für die damalige Zeit ein schönes Alter war.“
Wodurch ist sie also legendär geworden? Historiker Pavel Dvorak:
„Sie ist eben durch ihre Schönheit legendär geworden. Durch die Mischung des Weiblichen und
des Kriegerischen. Sie war sogar die Kapitänin der Burg Muran. Eigentlich ging es immer um Krieg, Kriegswesen und Rüstung.“
Die Burg Muran befindet sich im Nationalpark Muranska planina. Dieses Karstgebiet wurde 1996 in die Liste des Weltnaturerbes eingetragen.
„Derjenige, der die Möglichkeit hat, den Nationalpark Muranska planina zu besuchen, kann sehen
, was für Wunder die dortige Natur den menschlichen Augen bietet. Und klettert man zu den
Ruinen der Burg Muran, die heute natürlich schon verkommen sind, doch in der Petöfischer Geschichte noch gut sichtbar waren, kann der gewaltigen romantischen Ladung nicht
entkommen,“ sagt Historiker Pavel Dvorak, der diese interessante Legende erzählte.
Die romantischen Autoren des 19. Jhs. belebten die Schönheit einer einmaligen Frau und beschrieben sie aus verschiedenen Sichten. Für einige war sie eine Verkörperung des
Schönheitsideals, für andere nur eine wollüstige Sünderin. Doch für die berühmteste Darbietung hält man die Legende über die Venus von Muran. Sie hieß Maria Szécsi.
QuelleArtikel und Bilder: Slovakradio.sk ©
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