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Der Schöne Náci – eine typische Gestalt des alten Bratislava
Aus der Auslage des Cafes Roland auf dem Hauptplatz in Bratislava grüßte er eine
zeitlang die Vorübergehenden mit einem leichten Kopfnicken, wobei er die Augen leicht zusammenkniff und mit der rechten Hand, die ein kleines Paket trug, winkte. Das war für
ihn charakteristisch.
Von wem eigentlich ist die Rede? Von dem Schönen Naci, besser gesagt, von einer Puppe in Lebensgröße, die nach alten Fotografien der bildende
Künstler und Designer Karol Krcmar schuf.
Im Inneren der hölzernen Puppe verbirgt sich ein beweglicher Mechanismus. Wer war eigentlich dieser Mann, dessen Plastik am
Fischtor vor dem Cafe Mayer in Bratislava 1997 enthüllt wurde? Der Schöne Naci war die typische Gestalt des Bratislavaer Korsos. Er war Stammgast im Café Mayer und hatte dort
seinen eigenen Tisch. Noch vor dem 2. Weltkrieg, aber auch viele Jahre danach, kannte ihn jeder Preßburger.
Der Schöne Naci, mit dem Eigennamen Ignác Lamár wurde am 12. August 1897 in Petrzalka – deutsch Engerau – geboren.
Seine Mutter Maria verließ die Familie als Ignac nur 7 Jahre jung war.
Kurz danach verstarb sein Vater Jakub, Schuhmacher von Beruf.
Sein jüngerer Bruder Karol, der gelähmt war, wurde in einer charitativen Anstalt untergebracht.
Ignac dagegen wurde auf sich selbst angewiesen. Später, dank dem
Unternehmer Fekete, stellte man Ignac als Requisiteur im Theater an.
Jedem, dem Schöne Naci begegnete, lächelte er zu, jedem machte er
ein Kompliment, jeden begrüßte er höflich. Man nannte ihn Bratislavaer „Arbiter Elegantiarum“ des 20. Jahrhunderts.
Vor dem Krieg, aber auch in der Kriegszeit sprach ihn jeder mit dem slowakischen Namen Ignacko an. Davon die Abkürzung Naci. Wer und wann ihn mit dem Attribut schön benannte,
weiss heute niemand mehr.
Eins ist jedoch klar – er war immer schön angezogen: schwarzer Frack, Zylinderhut und weiße
Handschuhe. In der Sommerhitze trug er einen weißen Smoking, ins akkurat gekämmtes Haar
schmierte er Brillantine. In der Hand hielt er immer einen Spazierstock. Dieser Mann war wirklich eine lebendige, elegante Werbung.
Kurz nach dem 2. Weltkrieg geriet Schöne Naci in den Sammellager in Petrzalka, wo die bratislavaer Deutschen vor ihrer Aussiedlung nach Deutschland zusammengebracht wurden.
Doch Schöne Naci hatte Glück. Dank Dr. Blazej Rip durfte er wieder nach Bratislava zurückkehren.
Die letzten 21 Jahre seines Lebens verbrachte er im Altersheim in Bratislava. Er starb am 21. Oktober 1967 im TBC-Kreis-Krankenhaus in Lehnice, wo er auch beigesetzt wurde.
Die Fürsorge für das Grab übernahm die Gemeinde. Das Kreuz wurde zwar renoviert, doch am Grab gibt es bis heute keinen Namen.
Slovak Radio International vom 20.08.2004
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